3. Mai 2001

Start der Offenen Jugendarbeit in Buer

Der erste restaurierte Wagon macht sich am 3. Mai 2001 auf den Weg von Rabber, wo er von Jugendlichen in einem Arbeits-Projekt von BISOS e.V. kernsaniert wurde, nach Buer.

 

Zufrieden schauten am 3. Mai 2016 die Aktiven des Netzwerk Jugendhaus Buer e.V. gemeinsam mit Ehemaligen und Jetzigen auf 15 Jahre Jugendwagon, Offene Jugendarbeit in Buer, zurück.

Denkt man an die Zeit vor 15 Jahren, erinnern sich viele natürlich auch an die turbulenten Zeiten vor dem Start - an die hitzigen Diskussionen in der Politik, an zahlreiche Presseberichte und Leserbriefe, und natürlich an die Blockade auf dem Festplatz, die die Anlieferung des ersten Wagons verhinderte, sowie an aufwühlende öffentliche Diskussionsveranstaltungen.

Der erste restaurierte Wagon wurde dann am 3. Mai 2001 ohne weitere Störungen und mit viel guter Laune auf dem Festplatz in Buer aufgestellt.

Seit 2003 gibt es einen zweiten, angekoppelten Wagon.

Umfangreiche Tätigkeiten

„Unser Projekt hat sich nicht nur bewährt, sondern sich in den Jahren immer weiter entwickelt. Tägliche Öffnungszeiten, Angebote für verschiedene Altersklassen, der Mädchentag, das offene Sportangebot, viele Projekte und vor allem die Netzwerkarbeit im Ort haben sich etabliert und werden gut angenommen“, bilanziert Ursula Thöle-Ehlhardt als Initiatorin und langjährige Vereinsvorsitzende.

Seit 2003 gibt es den 2. Wagon in Buer.

Durch ein Graffiti-Projekt wurden nach intensiven äußeren Pflegearbeiten beide Wagons mit Jugendlichen neu gestaltet.


Prävention und passgenaue Angebote

Die Arbeit am Jugendwagon ist gekennzeichnet durch die Offenheit aller Angebote. „Unsere Besuchergruppen sind sehr gemischt, mit vielseitigen Erwartungen und Ansprüchen. Danach richten wir unsere Angebote aus, die Jugendlichen gestalten diese Angebote mit und bringen ihre Interessen ein“, betont Timo Eilers als verantwortlicher Sozialarbeiter die notwendige Flexibilität. Selbstverständlich gäbe es einen festen Rahmen und auch einen Verhaltens-Kodex, den die Jugendlichen gemeinsam mit ihrem Betreuer festgeschrieben haben. „Unsere Angebote beinhalten feste Gruppen, wie ein Sportangebot, einen Koch-Tag, einen Mädchentag und Angebote für die Jüngeren. Neuerdings bieten wir in jedem Monat zwei besondere Aktions-Tage an, die Ideen der Jugendlichen aufgreifen – Fahrten, Wandertage, Übernachtung im Wagon, Natur-Tage, Schwimmbad-Besuch oder auch eine Fahrrad-Werkstatt“, erläutert Timo Eilers die vielseitigen Aktivitäten. „Nach wie vor kommen neben recht jungen Kindern, die einen festen Betreuungs- und Angebotsrahmen brauchen, auch immer noch die älteren Jugendlichen vorbei, nutzen den Wagon als offenen Treffpunkt, entwickeln spontan Ideen und Aktivitäten. Dabei kommt uns das Gelände drumherum mit den vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten sehr entgegen.“ Somit gibt es eine bunte Nutzergruppe mit unterschiedlicher Altersstruktur, die aber in der Regel einen ausgesprochen guten Umgang miteinander pflegt.

Timo Eilers ist seit Sommer 2015 verantwortlicher Sozialpädagoge am Jugendwagon

Treffen einiger langjähriger Stammbesucher des Jugendwagons beim Grill-Abend mit ihrem alten Betreuer Dennis Erbeck und dem "neuen" Timo Eilers.


Netzwerk im Gemeinwesen

Annegret Tepe ist seit 10 Jahren fest im Team. Sie leitet den Mädchentag, kümmert sich im Hintergrund um die Verwaltung, die Arbeitsverträge und Finanzen. Zudem entwickelt sie gemeinsam mit der Vereinsvorsitzenden bedarfsgerechte Projekte. Beide gemeinsam erarbeiten dann entsprechende Anträge an Stiftungen, Sponsoren und Institutionen. „Uschi Thöle-Ehlhardt entwickelt die pädagogischen Konzeptionen und kümmert sich um die Vernetzung der Projekte mit weiteren Beteiligten, ich übernehme die Erstellung des Finanz-Plans und der Projekt-Abwicklung – somit bilden wir ein Team, das sich erstklassig ergänzt,“ freut sich Annegret Tepe über diese vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Blumen für die beiden Aktiv-Posten des Vereins

Gemeinsam haben beide schon viel auf den Weg gebracht: Qualifizierung in der  Gewaltprävention für Haupt- und Ehrenamtliche in der Jugendarbeit und in Schulen mit den Standorten Melle und Damme, Präventionsangebote mit dem Schwerpunkt 'Bewegung' für Jugendliche in Kooperation mit der Universität Osnabrück, ein Theater-Projekt für Mädchen, Graffiti-Projekte mit einem namhaften Fassadenkünstler, und nicht zuletzt seit 2009 die engagierte Arbeit im Arbeitskreis „Buer integrativ“. In diesem Netzwerk sind mittlerweile im Ort die Kindergärten, die Schule, die Moschee-Gemeinden und zahlreiche Vereine aktiv, die nicht nur jährlich das Internationale Kinderfest gemeinsam durchführen, sondern viele weitere kooperative Aktivitäten organisieren.


Enge Zusammenarbeit mit der Schule

Sehr positiv hat sich dabei die Zusammenarbeit mit der Lindenschule entwickelt. Nach eher lockeren Kontakten war der Ausgangspunkt einer engen Zusammenarbeit das Buch-Projekt „Angekommen - Buer und seine Gastarbeiter“ in den Jahren 2012/2013. Das Team des Jugendwagons hatte gemeinsam mit Schulleiterin Angelika Grobe dazu eine AG mit Schüler*innen auf den Weg gebracht, die mit Zeitzeugen Interviews und Gespräche führten. Das Buch wurde 2014 veröffentlicht, ist mittlerweile bundesweit ausgezeichnet worden und bekommt weit über die Region hinaus eine hohe Anerkennung. Ein zweiter Band zu Frauen-Biografien in der Gastarbeiter-Geschichte ist aktuell in der Umsetzungs-Phase.

Das Team des Jugendwagons bietet mittlerweile 5 AGs fest in der Schule an, wozu auch das Projekt „Dorfgeflüster / Watch out! – die Dorf- und Schülerzeitung für Buer“ gehört, aktuell zum zweiten Mal als Landessieger bei den Schülerzeitungen ausgezeichnet.

Fazit

Die Arbeit des Jugendwagons ist schon lange etabliert und über die Grenzen der Stadt Melle anerkannt. Besonders die engagiert nach vorne getriebene Netzwerkarbeit im Ort kommt Vielen zugute, aktuell profitiert die Unterstützung der in Buer untergebrachten Flüchtlingsfamilien auch von diesem guten und unkomplizierten Miteinander.

„In der Rückschau haben wir sehr viel erreicht, was nicht immer leicht war, aber unsere Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Wir wünschen uns, dass die seit einigen Jahren finanzierte halbe Stelle unseres Sozialarbeiters endlich einmal längerfristig abgesichert wird“, blickt Ursula Thöle-Ehlhardt mit Stolz auf die 15 Jahre zurück. „Die Qualität unserer Arbeit wird ja oft gelobt, aber den Willen, dieses nachhaltig abzusichern, vermissen wir manchmal schon.“

Das ist der große Geburtstagwunsch eines engagierten Teams, das mit viel ehrenamtlichem Engagement seit 15 Jahren nicht nur für die Jugendlichen in Buer aktiv ist – mit viel Spaß, mit gutem Team-Work und sichtbarem Erfolg.