Die Bedeutung des Standorts auf dem Festplatz für die pädagogische Qualität der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Ein Positionspapier


Kurz zusammengefasst

Das Umfeld des Jugendwagons – ein idealer Ort für die Offene Kinder- und Jugendarbeit

Der Jugendwagon Buer liegt zentral auf dem Festplatz mitten im Ort – direkt gegenüber dem Busbahnhof, einem traditionellen Treffpunkt junger Menschen, und in unmittelbarer Nähe zur Oberschule mit der alten Sporthalle. Rund um den Wagon befindet sich ein großzügiges, frei nutzbares Außengelände mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten: einer Skateranlage, einem Beachvolleyballfeld, einem kleinen Basketballplatz, einer wetterfesten Tischtennisplatte und dem alten Sportplatz mit Fußballtoren.

Dieses Umfeld bietet ideale Bedingungen für die Offene Kinder- und Jugendarbeit:

• Niedrigschwelliger Zugang: Der Standort ist offen, zentral und leicht erreichbar – Jugendliche können spontan kommen, ohne Anmeldung oder Verpflichtung.

• Vielfalt an Aktivitäten: Das Gelände ermöglicht Bewegung, Sport, Begegnung, kreatives Tun und Entspannung – alles in unmittelbarer Nähe.

• Raum für Eigeninitiative: Jugendliche gestalten ihre Freizeit eigenständig, treffen sich, organisieren Aktivitäten und übernehmen Verantwortung für ihr Miteinander.

• Soziale Begegnung: Das offene Umfeld fördert Austausch, Gemeinschaft und Integration – auch mit zufälligen Passant*innen und anderen Nutzergruppen.

• Lebensweltorientierung: Der Ort ist Teil des öffentlichen Raums und damit nah an der Lebensrealität junger Menschen – kein institutioneller, sondern ein authentischer Erfahrungsraum.

Durch diese Kombination aus Offenheit, Vielfalt und sozialer Einbindung ist das Umfeld des Jugendwagons weit mehr als ein Treffpunkt: Es ist ein pädagogischer Erfahrungsraum, in dem Kinder und Jugendliche Selbstständigkeit, Kreativität und soziale Verantwortung im echten Leben erproben und entwickeln können.

 

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Das ausführliche Positionspapier

Ausgangslage

Der Jugendwagon Buer ist eine etablierte Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Er liegt zentral auf dem Festplatz mitten im Ort – gegenüber dem Busbahnhof, einem traditionellen Treffpunkt junger Menschen, und in unmittelbarer Nähe zur Lindenschule, dem Familienzentrum Kinderhaus Buer und der alten Sporthalle. Das Umfeld bietet mit Sportflächen, Skateranlage, Beachvolleyballfeld, Basketballkorb und Tischtennisplatte ein breites Spektrum an frei zugänglichen Nutzungsmöglichkeiten, das auch von Vereinen und Gruppen regelmäßig genutzt wird.

Diese Lage schafft ideale Bedingungen für die pädagogische Qualität der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Der Ort ist niedrigschwellig erreichbar, sichtbar, eng mit der Lebenswelt junger Menschen verbunden und sehr gut geeignet für unterschiedliche spontane gemeinschaftliche Aktivitäten. Er ist mehr als ein Treffpunkt – er ist ein Raum für Begegnung unterschiedlicher Menschen und Gruppen, ein Ort für Bewegung, Eigeninitiative und gemeinschaftliches Erleben und Lernen.

Pädagogische Bedeutung des Standorts

Eine der pädagogischen Stärken des Standorts des Jugendwagons liegt in seiner Offenheit und Erreichbarkeit. Jugendliche können während der täglichen Öffnungszeiten einfach vorbeikommen, selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit gestalten und eigene Ideen umsetzen – dafür ein vielfältiges Angebot nutzen. Dies ermöglicht Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und das unmittelbare Erleben von Selbstwirksamkeit – zentrale Prinzipien Offener Kinder- und Jugendarbeit.

Das weitläufige Außengelände bietet zusätzlichen Raum für sportliche, kreative und soziale Aktivitäten, die ohne großen Aufwand entstehen können. Solche offenen Räume fördern Selbststeuerung, intrinsische Motivation und das Gefühl der eigenen Wirksamkeit: Jugendliche tun Dinge, weil sie wollen – nicht, weil Erwachsene sie anleiten. Das stärkt ihr Selbstvertrauen, das Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbstorganisation – zentrale Elemente der Persönlichkeitsentwicklung.

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Sichtbarkeit junger Menschen im öffentlichen Raum. Wenn Jugendliche im Ortsbild präsent sind, erfahren sie, dass sie wahrgenommen und akzeptiert werden – nicht als Störfaktor, sondern als Teil der Gemeinschaft. Diese öffentliche Präsenz stärkt Selbstwert, Identität und Zugehörigkeitsgefühl. Sichtbarkeit bedeutet Anerkennung: Jugendliche erleben, dass sie Einfluss haben und Verantwortung tragen können. Damit wird der öffentliche Raum zu einem Lernfeld gesellschaftlicher Teilhabe, für soziale Verantwortung und für die Entwicklung eines demokratischen Miteinanders. Die jungen Menschen gestalten ihren Lebensraum aktiv mit und erfahren gesellschaftliche Teilhabe im wörtlichen Sinn. 

Das offene Außengelände erfüllt somit eine herausragende pädagogische Funktion: Es unterstützt Eigenaktivität, Kreativität und Selbstständigkeit, fördert die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, von sozialer Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein, ermöglicht soziale und emotionale Lernprozesse und bietet jungen Menschen einen frei verfügbaren Raum zur Entwicklung – ein pädagogisch kostbares Gut, das in der heutigen Lebenswelt nur selten zu finden ist.

Gleichzeitig wirkt diese Sichtbarkeit auch auf die Gesellschaft zurück: Erwachsene nehmen Jugend als selbstverständlichen Teil des Gemeinwesens wahr. So entsteht gegenseitiges Verständnis, das Vorurteile abbaut und soziale Integration stärkt.

Bedeutung räumlicher Bedingungen für die Entwicklung

Offene, gestaltbare Räume sind unverzichtbar für selbstbestimmtes und soziales Lernen. Kinder und Jugendliche brauchen Orte, an denen sie handeln, gestalten und Verantwortung übernehmen und ihre Selbstwirksamkeit erleben können. Solche Räume fördern Selbstständigkeit, Kreativität und Gemeinschaftssinn. Gehen sie verloren, entstehen Abhängigkeit, Passivität und soziale Isolation.

Die Möglichkeit, sich im öffentlichen Raum zu bewegen und sichtbar zu sein, ist dabei ein entscheidender Faktor für Entwicklung. Sichtbarkeit schafft Identität, stärkt Selbstvertrauen und gibt Jugendlichen das Gefühl, dazuzugehören. Sie lernen, sich im öffentlichen Leben zu orientieren, Verantwortung zu übernehmen und mit anderen in Beziehung zu treten.

Präventive Wirkung durch offene, selbstbestimmte Räume

Offene Treffpunkte wirken präventiv, weil sie Jugendlichen Raum für eigenständiges Handeln bieten, ohne ständig beaufsichtigt oder kontrolliert zu werden. Solche Räume fördern soziale Verantwortung und Selbstregulation – Jugendliche lernen, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, sich selbst auszuprobieren, Fähigkeiten, Kompetenzen, aber auch Grenzen zu erkennen, sich mit gesellschaftlichen Regeln auseinander zu setzen, sich an ihnen zu reiben, Regeln auszuhalten und auszuhandeln und Konflikte, auch eigenständig, zu lösen. Dies gelingt nur, wenn es diese Kontakte in die Gesellschaft gibt. Dafür ist ein offenes Gelände, das durch unterschiedliche Gruppen genutzt wird, eine ideale Voraussetzung.

So entsteht Prävention nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen, Freiheit und Verantwortung.

Die pädagogische Bedeutung des offenen Außengeländes

Das großzügige, frei zugängliche Außengelände rund um den Jugendwagon ist nicht nur ein Ort für Bewegung und Freizeit, sondern ein zentraler pädagogischer Lern- und Erfahrungsraum. Seine Offenheit, Multifunktionalität und Niedrigschwelligkeit machen es zu einem herausragenden Bestandteil des Konzepts Offener Kinder- und Jugendarbeit.

Offene Außenräume ermöglichen Jugendlichen Eigenaktivität, Selbstorganisation und kreative Entfaltung. Sie bieten Raum für spontane, selbstbestimmte Aktivitäten, bei denen junge Menschen ihre Ideen unmittelbar umsetzen und sich in sozialen Situationen ausprobieren können. Das Gelände wird so zu einem Erfahrungsraum, in dem Jugendliche Selbstwirksamkeit konkret erleben und Verantwortung übernehmen – ganz ohne formale Anleitung.

Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten – von Sport und Spiel über kreative Projekte bis hin zu ruhigen Begegnungsmomenten – fördern intrinsische Motivation und stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Durch die selbstständige Nutzung lernen Jugendliche, mit Freiheit umzugehen, Konflikte auszuhandeln und Regeln gemeinsam zu entwickeln. So entstehen informelle Lernprozesse, die soziale Kompetenz, Rücksichtnahme und Teamfähigkeit fördern.

Gleichzeitig bietet das offene Gelände einen geschützten Rahmen, in dem Jugendliche sich frei bewegen können, während pädagogische Fachkräfte als verlässliche Ansprechpartner in erreichbarer Nähe bleiben. Diese Balance zwischen Freiheit und Sicherheit ist pädagogisch besonders wertvoll, weil sie Vertrauen statt Kontrolle vermittelt.

Kommunale und gesellschaftliche Bedeutung

Der Jugendwagon ist ein fester Bestandteil des sozialen Lebens in Buer. Er symbolisiert nicht nur, dass junge Menschen im Ortsbild sichtbar sind, und sein dürfen, sondern durch die gute Vernetzung der Einrichtung auch auch als Teil der Gemeinschaft verstanden werden. Diese Sichtbarkeit ist pädagogisch wertvoll: Sie vermittelt Jugendlichen Anerkennung und stärkt ihre Verbindung zum Ort. Zugleich signalisiert sie eine jugendfreundliche, offene und demokratische Haltung der Gemeinde.

Offene Kinder- und Jugendarbeit trägt zur Integration, sozialen Stabilität und kulturellen Vielfalt bei. Sie wirkt präventiv, indem sie Begegnung und Beteiligung ermöglicht. Die sichtbare Präsenz junger Menschen im öffentlichen Raum schafft Normalität und Vertrauen – ein wichtiger Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Offene Kinder- und Jugendarbeit in schulischen Gebäuden – Chancen und Grenzen

Die Frage, ob Räume der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in schulischen Gebäuden eingerichtet werden sollten, wird seit Jahren intensiv diskutiert. Sie berührt den Kern der Offenen Arbeit: Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und Lebensweltorientierung.

Im Folgenden werden die wichtigsten Argumente für und gegen eine solche räumliche Verbindung dargestellt.

Vorteile

1. Gute Erreichbarkeit und zentrale Lage

Schulen liegen meist zentral im Sozialraum und sind für Kinder und Jugendliche leicht erreichbar. Besonders für jüngere Jugendliche kann der Übergang von Schule zu Freizeitangeboten fließend gestaltet werden.

2. Nutzung vorhandener Infrastruktur

Schulgebäude bieten bereits ausgestattete Räume und Infrastruktur, die auch für offene Angebote genutzt werden können. Dies spart Kosten und ermöglicht eine vielseitige Nutzung von Ressourcen.

3. Kooperation und Bildungskontinuität

Die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Offener Kinder- und Jugendarbeit kann Bildung ganzheitlicher machen. Jugendliche erleben Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen, was Übergänge erleichtert.

4. Sichtbarkeit der Jugendarbeit

Offene Arbeit in Schulen kann ihr Profil stärken und neue Zielgruppen erreichen, insbesondere Jugendliche, die offene Einrichtungen sonst nicht aufsuchen würden.

Nachteile

1. Verlust der Freiwilligkeit

Schulen sind Orte der Verpflichtung und Bewertung. Offene Jugendarbeit lebt dagegen von Freiwilligkeit und Selbstbestimmung. Angebote im schulischen Rahmen laufen Gefahr, als Verlängerung des Unterrichts wahrgenommen zu werden.

2. Eingeschränkte Eigenverantwortung

In Schulen gelten Hausordnungen und Aufsichtspflichten, die eigenverantwortliches Handeln und selbstorganisierte Nutzung einschränken. Jugendliche haben weniger Möglichkeiten, Räume selbst zu gestalten.

3. Ausschluss bestimmter Jugendlicher

Jugendliche mit negativen Schulerfahrungen oder Schulmüdigkeit meiden schulische Räume. Die Niedrigschwelligkeit und Neutralität der Offenen Arbeit gehen verloren.

4. Unterschiedliche pädagogische Logiken

Schule orientiert sich an Leistung und Kontrolle, Jugendarbeit an Freiwilligkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Diese Unterschiede führen häufig zu Spannungen und Missverständnissen, besonders bei Jugendlichen, die Schwierigkeiten haben, sich den Anforderungen des schulischen Systems anzupassen.

5. Fehlende offene Flächen

Schulen fehlen oft offene Außenflächen, die frei nutzbar sind. Spontane, selbstbestimmte Aktivitäten, die Begegnung unterschiedlicher Gruppen sind dadurch kaum möglich.

6. Lebensraum

Jugendliche werden in ihrem Lebensraum auf den räumlichen Bereich der Schule reduziert. Dies grenzt die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten und die Wahrnehmung weiterer relevanter Bezüge der Lebensgemeinschaft deutlich ein. 

Fazit

Der Jugendwagon Buer steht am jetzigen Standort für lebensnahe, selbstbestimmte und gemeinschaftsorientierte Jugendarbeit. Das offene Umfeld ermöglicht jungen Menschen, Eigenverantwortung, Kreativität und soziale Kompetenz praktisch zu erproben und dabei Selbstwirksamkeit konkret zu erleben. Zugleich bietet es ihnen Sichtbarkeit im öffentlichen Raum – eine Grundvoraussetzung dafür, sich als Teil der Gesellschaft zu erleben. 

Die Nutzung schulischer Räume kann sinnvoll sein, wenn sie ergänzend und kooperativ erfolgt – jedoch nicht als Ersatz für eigenständige, offene Einrichtungen. Klare Grenzen zwischen schulischen Strukturen und offener Arbeit müssen gewahrt bleiben, um Freiwilligkeit, Eigenaktivität und Selbstbestimmung, aber auch Akzeptanz und Attraktivität für sehr unterschiedliche Nutzergruppen zu sichern.

Eine zukunftsfähige Lösung verbindet beide Welten: Offene Kinder- und Jugendarbeit kann schulische Räume situativ nutzen und Kooperationen aufbauen, braucht aber weiterhin eigene, frei zugängliche Orte außerhalb der Schule, um jungen Menschen echte Freiräume und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten – idealerweise in einem Umfeld, das möglichst vielseitige Kontakte unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen niedrigschwellig ermöglicht und Selbsttätigkeit und damit Selbstwirksamkeit forciert. All diese Voraussetzungen sind mit der Beibehaltung des Standorts auf dem Festplatz in Buer für die Offene Kinder- und Jugendarbeit gegeben. 

Empfehlung: Erhalt und Stärkung des Standorts

Der Standort für Räumlichkeiten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf dem Festplatz in Buer sollte dauerhaft gesichert und gestärkt werden. Die pädagogische Qualität des Standorts beruht wesentlich auf der Verbindung von zentraler Lage, niedrigschwelligem Zugang und offenem Außengelände, das jungen Menschen vielfältige, selbstbestimmte Aktivitäten, aber auch unkomplizierte Kontakte ermöglicht. Eine Verlagerung oder Einschränkung des Standortes würde nicht nur den Verlust eines vertrauten Treffpunkts bedeuten, sondern hätte auch erhebliche Auswirkungen auf die Qualität von Entwicklungs- und Bildungsprozessen der Kinder und Jugendlichen im Ort. Gerade die freie, offene und unstrukturierte Nutzung des Geländes ist nicht ersetzbar durch geschlossene oder stärker beaufsichtigte Räume.

Daher empfiehlt sich:

- den bestehenden Standort auf dem Festplatz strukturell und planerisch langfristig zu sichern,

- das offene Außengelände als festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit zu schützen und zu pflegen,

- bei zukünftigen Planungen (z. B. Nutzung des Festplatzes, Schul- oder Verkehrsplanung) den Bedarf nach unabhängigen, offenen Jugendräumen ausdrücklich zu berücksichtigen,

- Räumlichkeiten für die Offene Kinder- und Jugendarbeit als Ort der Selbstbestimmung, Kreativität und Teilhabe langfristig sichtbar in der Gemeinde zu verankern,

- und durch kontinuierliche Unterstützung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sicherzustellen, dass dieser Raum auch künftig jungen Menschen Eigenaktivität, Begegnung und Verantwortungserfahrung ermöglicht.

Die Stadt Melle kann mit der Sicherung des jetzigen Standorts ein deutliches Signal für eine 

jugendfreundliche, beteiligungsorientierte und sozial verantwortliche Jugendpolitik setzen. Sie stärkt damit nicht nur die Qualität der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, sondern investiert langfristig in soziale Stabilität, Integration und die Zukunftsfähigkeit der gesamten Gemeinde.